Warum Pferde nicht lachen

Pferde flehmen = Testriechen

Die meisten von uns haben einmal gesehen, wie ein Pferd seinen Kopf nach oben neigte und seine Oberlippe zu einem “Pferdelachen” kräuselte. Obwohl der Ausdruck amüsant ist, hat er doch einen praktischen Zweck. An dem geöffneten Maul und der Körperhaltung des Pferdes kann man erkennen, dass das Pferd etwas wittert.
Das können z. B. andere Tiere sein, aber auch Geschechtsgerüche.

Die Haltung wird “Flehmen” genannt (grob übersetzt bedeutet das “Testen”), und es scheint Pferden zu helfen, Pheromongerüche in den vomeronasalen Organen (Geruchsorgane) einzufangen, damit sie genauer analysiert werden können. Pheromone sind die chemischen Signale, die von anderen Pferden (und gelegentlich auch vom Menschen) ausgehen.

Duftsauger

Pferdeparfüm

Nachdem ein Pferd den organischen Geruch angesaugt hat (durch einige Sekunden Geruchsuntersuchung), kräuselt es seine Lippe, um die Nasenwege vorübergehend zu verschließen und die Partikel darin zu halten.

Dann scheint eine Kopfneigung nach oben den Luftmolekülen zu helfen, in den VNOs, die sich unter dem Boden der Nasenhöhle des Pferdes befinden, zu verweilen.

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Hengste praktizieren bei weitem am häufigsten die Flehmenhaltung. In Anwesenheit einer rossigen Stute zum Beispiel können sie mehrmals pro Stunde flehmen. Auch Stuten flehmen, wenn auch nicht so häufig. Bei ihnen löst der Geruch von Geburtsflüssigkeit bei einem neugeborenen Fohlen die Reaktion aus.

Wallache scheinen am wenigsten zu flehmen.

Aber während Sexualpheromone definitiv die wahrscheinlichsten Auslöser sind, sie sind nicht die einzigen. Gelegentlich reagieren Pferde auch dann mit einer Oberlippenrolle, wenn sie mit einem ungewöhnlich seltsamen oder stechenden anorganischen Geruch in Berührung kommen – zum Beispiel von Feuer oder frische Farbe.

Übrigens – diesen „Duftsaugmechanismus“, das “Pferde flehmen”, praktizieren nicht nur Pferde, sondern auch Hund, Katzen und viele andere Säugetiere.

 

Pferde flehmen bei Hunden, Katzen und Menschen?

Rüssel- und Kriechtiere

Aber, wie wir wissen, Ausnahmen bestätigt die Regel:

Nicht alle Tiere, die vomeronasale Organe haben, führen das Flehmen durch.

Elefanten praktizieren beispielsweise eine Pseudo-Version des Verhaltens. Sie bringen Gerüche physisch in Kontakt mit Organen, die sich auf der Oberseite ihrer Mundhöhle befinden.

Elefanten sind den Menschen auch in anderen Bereichen überlegen: Sie haben tatsächlich ein “Elefantengedächtnis”. Sie können sich besser an Vorkommnisse, die in der Vergangenheit liegen, erinnern als Menschen. Das Gedächtnis ist für die Rüsseltiere überlebenswichtig.

Wenn Sie also jemals einen Elefanten im Zoo sehen, der mit seinem Rüssel eine Urinpfütze berührt und dann den Rüssel in den Mund steckt – er säuft den Urin nicht, er flehmt ihn.

Ebenso gibt es für Schlangen eigentlich keine Notwendigkeit, sich zu schlängeln. Sie übertragen Duftmoleküle mit ihrer gespaltenen Zunge direkt auf das Organ, die in diese winzigen Mundgruben passen wie ein Stecker in eine Steckdose.

Wenn deine Zunge jetzt die Oberseite deiner Mundhöhle vergeblich nach Löchern durchsucht hat, fürchte dich nicht. Dem Menschen fehlen diese speziellen Kanäle und die dazugehörigen vomeronasalen Organe. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum du noch nie gehört hast, dass ein Mensch geflehmt hätte.

Was Pferde mit Neanderthalern zu tun haben

Aber das war wahrscheinlich nicht immer der Fall. Unsere Vorfahren haben das flehmen praktiziert, und man kann Beweise dafür während der Entwicklung sehen.Pferde flehmen - Neanderthaler

 

 

 

Wenn sich der menschliche Fötus bildet, beginnt er den Aufbau eines vomerosonalen Organs.

Das allerdings verschwindet irgendwann im Laufe der weiteren Entwicklung wieder.

“Pferde flehmen” anschaulich gemacht in diesem 18 Sekunden Clip.

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